Die Planung der Aktion "Wider den undeutschen
Geist"
Das Wintersemester 1932/33 stand kurz vor dem
Abschluss, als die Machtübernahme der Nationalsozialisten
vollzogen wurde. Bereits am 27. Februar setzte der greise Reichspräsident
Hindenburg mit der Verordnung zum "Schutz von Volk und Staat"
alle wichtigen Grundsätze der Weimarer Verfassung außer
Kraft. Die von Mitgliedern des NS-Studentenbundes geleitete "Deutsche
Studentenschaft" (DSt) war nun zusammen mit ihren nationalsozialistisch
dominierten regionalen Studentenschaften bestrebt, bei der Durchsetzung
des Nationalsozialismus in den Hochschulen und im Kulturleben
eine Schlüsselrolle einzunehmen. Dabei fand sie von den im
Prozess der Gleichschaltung begriffenen staatlichen Institutionen
zunehmende Unterstützung.
Für die Planung und Durchführung der groß angelegten
Aktion "Wider den undeutschen Geist" richtete die DSt-Führung
in Berlin ein "Hauptamt für Presse und Propaganda"
ein. Es wurde der Leitung des NSDStB-Mitgliedes Hanskarl Leistritz
unterstellt. Durch das von Leistritz an die einzelnen Studentenschaften
gesandte erste Rundschreiben am 6. April
1933 wurde der Start der reichsweit angelegten "Aktion wider
den undeutschen Geist" zentral angekündigt. Das
zweite Rundschreiben des "Hauptamtes für Presse und
Propaganda" der DSt vom 8. April 1933 enthält bereits
das Konzept für die Gesamtplanung der "Aktion wider
den undeutschen Geist" - von der Plakataktion am 12. April
über die Sammelaktion der angefeindeten Literatur bis hin
zur Bücherverbrennung am 10. Mai. Der auf die Organisation
bezogene Teil des Rundschreibens enthält die Aufforderung
zur Bildung von Kampfausschüssen auf der Ebene der DSt-Kreise
und der Hochschulorte. Diesen Ausschüssen sollten neben drei
Studenten noch ein Professor, ein Mitglied des "Kampfbundes
für deutsche Kultur" und ein Schriftsteller angehören.
Als Leiter jedes der Ausschüsse war jedoch auf Kreisebene
der Kreisleiter der DSt und an den Hochschulen der Studentenschaftsvorsitzende
vorgesehen.
Es ist ein bemerkenswertes Indiz für die konstitutive Macht
der Studentenschaften in dieser Phase, dass sowohl Professoren
als auch Funktionäre des von Alfred Rosenberg geführten
"Kampfbundes für Deutsche Kultur" bereit waren,
sich der Führung von Studenten zu unterstellen.
In der historischen Bewertung der Vorbereitung der Bücherverbrennung
ging man lange davon aus, dass die DSt eine Aktion dieser Tragweite
nur unter der verdeckten Leitung des Ministeriums für Volksaufklärung
und Propaganda mit seinem Minister Goebbels durchgeführt
haben könne. Ein Brief vom 10. April
aus dem Archiv
der DSt in Würzburg belegt, dass sich das "Hauptamt
für Presse und Propaganda" der DSt erst nach seiner
abgeschlossenen Planung der "Aktion wider den undeutschen
Geist" an das genannte Ministerium wandte, mit der lediglichen
Bitte um finanzielle Unterstützung. Auch dem "Kampfbund
für Deutsche Kultur" unter Leitung von Alfred Rosenberg
wurde erst nach Abschluss der Planungen am 12.
April das Angebot unterbreitet, sich an der Aktion zu beteiligen.